Analoger Outbreak

Hallo Ihr alle da draußen. Ja, wir leben in ver-rückten Zeiten. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, die Straßen sind leer, die Geschäfte geschlossen und die Jogging-Strecken überfüllt. Komplette Familien spielen am Bach, und so schwierig die Situation für viele Menschen in Corona-Zeiten vor allem wirtschaftlich ist, ich glaube und hoffe, dass es Prioritäten gerade rückt, Menschen zusammenbringt, und die Welt ein bisschen durchatmen kann. Ausatmen aber besser mit Mundschutz ;).

Apropos Welt… so sehr uns dieses Virus gelehrt hat, welche Probleme die Globalisierung bringen kann, so sehr zeigt es uns aber auch, dass wir nur durch weltweite Anstrengungen gemeinsam langfristig mit dieser und ähnlichen Situationen umgehen können.


Aber eigentlich wollte ich gar nicht so viel zu dem C-Wort sagen, (stellt Euch jetzt Ernie von der Sesamstraße und Schlemihls PSSSST vor) manchmal kann man das ja schon nicht mehr hören. Und wenn man blinzelnd in die Sonne guckt, und die Wärme auf der Haut spürt, wirkt es schon fast unwirklich, als hätte man einen packenden Film geguckt und würde sich strecken und wieder in den Alltag zurückkehren, nur dass es nicht so ist.


Aber siehe, das Ganze hat mich zur analogen Fotografie gebracht. Im Grunde ein analoger „Outbreak“ (sorry Robin für die Anglizismen, hört sich irgendwie cooler an als Ausbruch, und dann gibt es ja noch den Film mit Dustin Hoffman und Morgan Freeman 😉 ). Ich bin mir sicher, wenn ich nicht im Homeoffice wäre und alles „drumherum“ nicht im lock-down weggebrochen wäre, dann hätte ich mich bestimmt nicht so schnell mit der Tüte alter Kameras, die mein Vater mir mitgebracht hat, beschäftigt.

Im Grunde war das wie Weihnachten. Oder noch besser eine Mischung aus Weihnachten und Schrottwichteln, man weiß ja nicht, was man findet.
Eine Tüte voller Ledertaschen und diesen aufklappbaren Lederkameraetuis mit Inhalt. Ein bisschen nach Omas Keller müffelnd.

Und dann hab ich mal „ausgepackt“ :).

Zum Vorschein kamen

  • eine Mittelformat-Sucher-/Tubus-Kamera, die Agfa-Isola II von ca. 1957 mit einem Agfa Agnar Objektiv 1:6,3/75 mm
  • eine 4×4 Rollfilm-Kamera, die Braun Paxina electromatic von 1960 für einen 127er-Film mit einem Festoptik Katagon 5,6/50 mm, Fixfocus
  • die megaschicke Dacora (Reutlingen) Instacora F-126 von 1967, mit einem Color Subitar-Objektiv mit 1:8/45 mm, die einen Instamatic-Film benötigt, der eher nicht mehr zu bekommen ist
  • eine Kleinbild-Kamera, die Agfa Optima 500 sensor von 1969 mit einem festen 42 mm f 2,8 Objektiv
  • eine Messsucherkamera (mein Favorit), die Rollei XF35 von 1974 mit einem Sonnar 40 mm f2,3 Objektiv (Zeiss-Lizenz)
  • eine Minolta AF Tele Super von 1988 zu damaligen Zeiten wahrscheinlich hochmodern, jetzt einfach nur ein Plastikbomber 😉 , interessanterweise aber als Leica AF-C1 1989 in deutlich ansprechenderem Design koproduziert
  • eine Cyprea 2-way Kamera aus dem 90er-Jahren die schon beim Anfassen gegenüber den älteren „Schätzchen“ einfach billig wirkt, aber immerhin Panoramas kann.

Danke an das Internet, das das Recherchieren einfach macht. Es gibt sogar youtube- Videos zu einzelnen Kameras, und Seiten wie das Lippische Kameramuseum. Krass!
http://www.lippisches-kameramuseum.de


Kommt zwar nicht an die PEN-F dran, aber das Retrodesign, das hier gar kein Retrodesign ist, gefällt mir 🙂 . Das Ganze hat ein bisschen was von einer Zeitreise durch die Kompaktkamerageschichte.

Wer findet den Fehler?


Denn selbst die Mittelformatkamera lässt sich gut in die Handtasche stecken, die wird erst voluminöser, wenn der Tubus ausgefahren ist. Ne, nix zu zum intubieren, da lohnt die Beschlagnahmung nicht….

und wiegt praktisch nix… hat noch nicht mal ne Batterie 😉

Jetzt bin ich gerade dabei, die Rollei und die Agfa 500 sensor ausgehfertig zu machen. Heißt, putzen, die Quecksilberbatterie, die seit Jahrzehnten verboten und natürlich leer ist, mit einer moderneren Version ersetzen, Filme kaufen (welch ein Déjà vu, lang lang ist es her…), sich mit der Bedienung auseinandersetzen, welch ein Spaß! 🙂

nach dem ersten Öffnen des Lederetuis

Danke an meine „DisselCamp-Jungs“, die meine tausend Fragen geduldig beantwortet haben. Nach dem Motto: wo ist die Batterie, und wofür ist da die Batterie drin, tut die es noch oder merke ich einfach nicht, wenn die es nicht tut? Was tut die überhaupt in so einer Kamera? Fragen über Fragen…. hihihihi

hach…

Nächste Woche geht es auch – mit natürlich Abstand – mit Kathrin und ihrer Minolta SLR (die im übrigen hier auch noch von meiner Schwägerin in der Schublade liegt, aber ätzend schwer ist), auf Fototour. Ich bin seeehr gespannt auf das Fotografiererlebnis und die Ergebnisse.

schwer….aber ausprobieren muss wahrscheinlich auch mal sein 😉


Eigentlich fand ich analog immer ziemlich unsinnig. Aber mit dieser „Überraschungskiste“ die mir in die Hände gefallen ist (danke Papa 😉 ), ist mein Ehrgeiz und meine Neugier geweckt. Und die Corona-Zeit passt… die Entdeckung der Langsamkeit in einer Welt, der man den Akku geklaut hat und in der der Duracellhase bis zum Einlegen der neuen Batterie ein bisschen langsamer trommelt.


Über das Fotografiererlebnis mit den einzelnen Kameras, ob ich die überhaupt wiederbelebt bekomme und die Fotos, die da irgendwann vielleicht, wenn überhaupt, rauskommen, berichte ich dann noch mal einzeln. Versprochen.

Bleibt gesund und passt auf Euch auf!

6 Replies to “Analoger Outbreak”

  1. Bin gespannt auf deine Erfahrungen! Ich habe mir gerade einen Ilford xp2 super 400 Film gekauft. Der ist sw, aber im normalen Farbverfahren zu entwickeln. Kann also im Schnellservice gemacht werden und kostet wenig. Er soll in meine alte Nikon ft2 aus den 60ern, meine erste Spiegelreflex. Einfach um es nach 100 Jahren mal wieder zu machen und es den Kindern mal zu zeigen, wie das früher ging…

  2. Mich hat das analog Fieber noch nicht erwischt, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
    Allerdings freue ich mich umso mehr darauf deine Erlebnisse und Erfahrungen hier mit dir teilen zu dürfen.
    Viel Spaß wünsche ich dir mit deinen neuen Schätzchen…
    LG Bubble

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